Island - Date mit Feuer und Eis

Reykjadalur - hot river and smokey mountains
Reykjadalur - hot river and smokey mountains
Island - pussies beware! :) 
Es wird ein Kurztrip, nur ein paar Tage auf dieser wundervollen, rauen Insel aus Vulkanen und Gletschern. Bisschen Reykjavik, bisschen Roadtrip. Hab eine freie Woche und einen günstigen Flug gefunden. Und einen Anlass: wieder wird mein datewithplaces auch ein date with friends. Oft vermisse ich im Alltag die vielen tollen Menschen, die irgendwo über den Erdball hüpfen und mir in meinem Jahr quer durch Kanada und auf anderen Rucksackreisen begegnet sind. Hab' viele fest ins Herz geschlossen, mit denen mich ein besonderer Ort verbindet, unvergessliche Momente, Lachen, Heulen, Herausforderugen, Herzklopfen, extreme Kälte, überwältigende Natur, Heim- und Fernweh, Neuanfänge und Abschiede. Und eine Geschichte.
Marine kommt aus Frankreich, arbeitet gerade für ein halbes Jahr in einer super edlen isländischen Bäckerei mitten in Reykjavik. Schon als ich sie kennengelernt hab, hatte sie diesen Traum: sie will pastry chef werden. Begegnet sind wir uns vor drei Jahren auf einer Ranch in Saskatchewan, im Westen Kanadas. Als volunteers haben wir mit Cowboys gelebt und gearbeitet- die Menschen, Tiere und die endlos weite Landschaft sind uns beiden direkt ins Herz gegangen. Und seit kleinen roadtrips durch die Rocky Mountains und vergangenes Jahr durchs Baskenland wissen wir, das wir überall super zusammen reisen.
Die Innenstadt von Reykjavik ist klein und bunt und irgendwie heimelig. Es gibt viele schöne Bars, kleine Cafés und Restaurants, Wollgeschäfte mit den typischen Islandpullis und Outdoorläden. Keine Fastfoodketten und auch sonst nur local stores. Allerdings eröffnet bald ein H&M. Doof. 
Von vielen Stellen sieht man die schöne Kirche; die Halgrimskirkja ist erstarrter Lava nachempfunden und der höchste Punkt der Stadt. Mit Rädern machen wir abends eine Tour am Meer entlang, zum Leuchtturm. Verrückt, aber es ist sonnig, "warm" und einfach schön. Wir kommen an Hütten und Gestellen zum Fisch trocknen vorbei, am schwarzen Strand, einem Golfplatz und Hängematten, die einfach so am Ufer aufgestellt sind. Reykjavik hat auch einen Badestrand! Mit einer Art Becken, durch große Steine vom Meer abgegrenzt und im Schwimmbereich ist das Wasser beheizt - also jetzt nicht Badewanne, aber auch nicht ganz so eisig. Testschwimmen ist leider ausgefallen, alles schafft man ja eh nie. Dafür aber noch ein GuteNacht-Wikingerbier im Bike Cave. Kleine, coole Werkstatt mit Café/Bar auf dem Weg.
Dann gibt es noch ein Wiedersehen mit Micah aus dem Yukon im Norden von Kanada. Auch ein Reisefreund. Er arbeitet inzwischen als Englischlehrer und Tourguide in Reykjavik. Verrückt! Micah kennt einen hot river,  in dem man baden kann, etwa eine dreiviertel Stunde außerhalb der Stadt Richtung Süden. Reykjadalur. Unwirkliche Landschaft, rauchende Berge, blubbernde und gluckernde Löcher, Schilder warnen: Wasser hier 100 Grad Celsius. Es riecht nach Schwefel. Und dann der Fluss! Viele treffen sich hier zum gemütlichen, mitgebrachten after work Getränk beim Planschen. Vom Parkplatz wandert man ein gutes Stück, oft steil und Geröll, Wanderschuhe und großes Handtuch zum Umziehen mitnehmen. Oder letzteres egal finden. :) Das Wasser ist an manchen Stellen fast zu heiß, im Zweifel weiter flußabwärts ein Fleckchen suchen. Generell gehört Baden in geothermischen, also durch Erdwärme geheizten, Gewässern ja zur isländischen Kultur. Schwimmbäder gibt es überall und so viele kostenlose Möglichkeiten mitten in der Natur! Guckt dafür z.B. mal auf der Seite hotpoticeland.com
Sightnotseeing Iceland 🙃
Sightnotseeing Iceland 🙃
Freitagabend geht's los. Mini Roadtrip bis Sonntag, dann geht mein Flieger, praktischerweise nachts um halb zwei. Auto bei Sadcar gemietet, alles super easy. Oder isi. Wetter ist so mittel. Genauer: Es regnet in Strömen. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Macht nichts. Wir nehmen die Ringstraße nach Vik, Richtung Süden. Eigentlich wollten wir in Reykjavik noch Campinggear mieten, war aber relativ teuer (177€ für Zelt, Matratzen und Schlafsäcke für drei Nächte). Haben uns dann wegen des Wetters entschieden, unterwegs Unterkünfte zu buchen. Dauert nicht lang und wir sammeln eine durchnässte Anhalterin ein. Timea. Sie zeigt uns unterwegs den voluminösesten Wasserfall Islands, Urridafoss. Es gibt ja nur eine Hauptstraße in Island, die Ringstraße No 1 führt rund ums Land, kleine Wege und Straßen rechts und links führen euch oft zu tollen Aussichtspunkten, Wasserfällen, Hot Springs, Klippen mit Puffinkolonien 😊etc.
Seljalandsfoss
Seljalandsfoss
Wir stoppen na klar auch noch am berühmten Seljalandsfoss. Den Wasserfall kann man auch von hinten besichtigen und steht hinter einem tosenden Vorhang im Felsen. Wir sind fast die einzigen, es ist schon spät und ungemütlich mit Wind und Dauerregen. Und der Anblick phänomenal! So viel Wasser, so viel Power, so laut! Wir sind komplett nass, aber happy. Island, nix für Pussies, denke ich mal wieder. 😉
Die Nacht verbringen wir ein paar Kilometer weiter. Skalakot. Hotel mit Pferden und einem großen dorm room, direkt über der Reithalle und mit gemütlichen  Essküche. Reicht uns völlig. Wir wollen nur schlafen und am nächsten Morgen mit Islandponys ins Gelände. Und selbst eine Nacht im dorm (Mehrbettzimmer, meist mit Etagenbetten) kostet auf Island zwischen ca. 40 und 50€. Der Ausritt am nächsten Tag ist kurz aber schön, es schüttet und hagelt und stürmt. Bin wieder mal beeindruckt, wie zäh diese kleinen Islandpferde sind, wie sie sich drehen, um sich vor den Böen zu schützen und dabei unbeirrt weiterstapfen. Ok, bis auf den einen, der durchgeht. Aber vielleicht wollte er ja einfach schneller sein als der Wind. Nix passiert.
Nach dem Ritt kurz trocknen, wir quatschen kurz mit dem netten Hotelbesitzer und mit unserer Pferdeführerin, ein junges, toughes Mädel aus Deutschland, sie macht hier Sommerjobbing. Dann weiter Richtung Vik. Kurzer Stop am Skogarfoss. Wasserfall mit Campingplatz. Trotz des Regens total überlaufen. Wir machen ein Foto und hüpfen wieder ins Auto. Sonst hätte es noch einen kleinen Wanderweg gegeben zu einem anderen Wasserfall, den kaum jemand kennt und der deswegen hidden waterfall genannt wird. Wenn ihr mögt, fragt da mal am Skogarfoss im Besucherzentrum.
Es geht immer weiter auf der Ringstraße. Wir kommen an Hobbithäusern vorbei. Ok, ja gut. Möglicherweise sind's auch Schafställe im Felsen. Und dann, kurz vor Vik rechts ab. Zum schwarzen Strand mit einem lustigen Felsen, der da im Wasser rumsteht. Und: einer riiiiiesigen Puffinkolonie!!!! Flippe komplett aus, Sturm, Regen, alles egal. Ich liebe Puffins!! ❤️
In Vik gibt es einen riesen Laden von ice wear, mit Islandpullis, Socken, Outdoorzeugs - und Lagerverkauf. Gefährlich, wenn's draußen so usselig ist. Hätten am liebsten alles mitgenommen! Relativ teuer, die Sachen im Lagerverkauf super günstig, aber eben oft nicht in allen Größen da. Wir werfen noch schnell ein spätes Mittagessen ein. Mir fällt auf, dass ich nicht ein einziges Mal Geld abgehoben hab, seit ich hier bin. Läuft alles mit Karte. Und tut nicht so weh, weil man nicht direkt merkt, dass die Reisekasse leerer wird.
Noch 220 Kilometer Richtung Höfn bis nach Vagnsstadir zum Hostel. Wir kommen nur langsam voran, wegen Wetter und Höchstgeschwindigkeit von 90km/h. Wir fahren noch durch eine unwirkliche Steinlandschaft und fühlen uns wie auf einem anderen Planeten. Jetzt gerade bin ich ausnahmsweise froh, dass es hier kein wildlife gibt, keine Rehe, Elche oder Sonstiges, was auf die Straße rennen könnte.
Im Vagnsstadir Hostel keine besonderen Vorkommnisse. Schöne Aussicht vom Essensraum, merken wir am nächsten Morgen. Viel grüne Wiese und dahinter das Meer mit wilden Wellen. Endlich hat es aufgehört zu regnen und das Licht ist wieder mal großartig. Wir fahren los. Und müssen leider kurz darauf schon wieder Fotostop machen. 😄
Sensationeller Regenbogen... ich grinse schon wieder übers ganze Gesicht. Und Marine erst. Sie weiß nämlich, was gleich noch kommt. Wir sind wieder auf dem Weg zurück nach Reykjavik, nachts geht mein Flieger, bis 23Uhr müssen wir den Mietwagen zurück geben. Wir wollen unterwegs noch eine kleine Gletscherwanderung machen, ein Touranbieter hat noch Plätze frei. Aber dazu sollte es nicht kommen...
Als wir jetzt im Hellen am Gletschersee Jökulsarlon vorbeikommen, raste ich komplett aus: EISBERGE!!!!! Herz hüpft und ich kann's nicht fassen! Marine wollte mich überraschen und ist selbst überrascht, wie groß die Eisberge sind. Wir sind uns sofort einig. Gletscherwanderung fällt aus, wir bleiben lieber hier und machen eine kleine Bootsfahrt durch die Lagune und laufen zum Strand, Eisberge und -brocken bewundern. Beste Entscheidung.
Bin mal wieder überwältigt von der Natur, von der Welt, von diesem Land. Vier Stunden bis Reykjavik. Viel ah und oh und halt! Stop! Foto! Eigentlich wollten wir noch gemütlich die letzten Stunden in der blauen Lagune verbringen, dem berühmten Spa mit milchig-bläulichem Thermalwasser und Heilschlamm. Aber: die Blue Lagoon, eine halbe Stunde vom Flughafen entfernt, ist mittlerweile so überlaufen, dass man vorher online buchen muss. Wir wir am Telefon erfahren, ist heute alles ausgebucht. Krass. Gut, dass ich's vor ein paar Jahren schon gesehen hab. Marine wird sicher auch noch Gelegenheit haben.
Blue Lagoon, 2013
Blue Lagoon, 2013
Rückgabe vom Auto klappt problemlos, mit Transfer zum Flughafen dauert's etwa 40 Minuten. Haben noch Wein übrig. Den trinken wir am Flughafen. Hier herrscht spätabends Hochbetrieb, viele Flüge starten oder landen vor oder nach Mitternacht. Lustig: viele Backpacker, die abreisen, bieten uns ihre Überbleibsel an. Obst, Eier, Gaskartuschen. Gute Idee eigentlich, wie wär's, Flughafen Keflavik? Super wäre ein free table für übriggebliebene Sachen, die Heimflieger nicht mitnehmen, aber Ankömmlinge oft gut gebrauchen können. Wir sind ganz beseelt von unseren zweieinhalb Tagen Roadtrip, randvoll mit Bildern und Erinnerungen. Und happy über unser Wiedersehen und finden, das Reisefreunde ganz besondere Menschen sind. Irre, wieviel man in so kurzer Zeit erleben kann, wenn man erst mal unterwegs ist! More to come. Auf das nächste date with places und das nächste date with friends. Für jetzt: danke Island. Takk fyrir. ❤️
Wart ihr schon auf Island? Vielleicht im Norden oder Osten? Freue mich über Tipps! Und ansonsten gerne Fragen, Feedback oder Anregungen hier, auf Facebook oder instagram. 😊See you on the road!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Kirsten (Dienstag, 05 September 2017 18:56)

    Na Du, habe mit Spannung gelesen was Du über Island geschrieben hast und vielleicht hast Du ja auch noch ein paar Tipps für uns, denn im nächsten Jahr stehen 4 Wochen Island mit dem Landy an. Tolle Bilder!!! Liebe Grüße aus dem Norden Kirsten

  • #2

    Janine @datewithplaces (Dienstag, 19 September 2017 17:05)

    Liebe Kirsten, wie schön, dass du lesend mitgefahren bist! :) War ja quasi nur zweieinhalb Tage on the road, unten im Südwesten. Aber alles dazu kann ich dir gerne erzählen, wenn ihr losdüst. Bin gespannt, was du dann im Rest von Island siehst und erlebst! Jetzt erst mal eine schöne Osteuropazeit euch, Grüße nach...da wo ihr gerade seid :) Janine