date mit norwegen - snowboarden mit fjordblick

Die roten Fischerhäuschen. Zerklüftete Felsmassive, stürmische Luft, die nach Fisch und Salz riecht, dicke Wollpullis. Wandern und campen im Sommer in unberührter Natur. Das war für mich Traumziel Norwegen. Und plötzlich postet eine Reisefreundin Fotos aus Nordnorwegen. Mit Schlittenhunden, Nordlichtern, weiß strahlenden Landschaften aus Schnee und Eis. Bämm! Ich buche sofort. Norwegen im Januar. Und dann tauchen beim Planen Bilder auf von menschenleeren Skipisten über endlos weiten Fjorden. Da will ich stehen, diese Aussicht einatmen und dann mit lautem yeeehaaa! die Piste runter auf den Fjord zu brettern!  

Norwegen, Skifahren, Narvik,
Norwegen, Narvikfjellet
Planierraupe statt Lift
Planierraupe statt Lift

Da ich bei meiner dreiwöchigen Rucksackreise von Norden nach Süden reise, suche ich mir Narvik als ersten Skistopp aus. Eine kleine Hafenstadt nördlich des Polarkreises. Mit Skipiste und Gondel mitten in der Stadt! Von meinem Hostel laufe ich 15 Minuten gemütlich bergauf zur Liftstation Narvikfjellet. Heißt so viel wie „das Gebirge von Narvik“. Es ist Ende Januar, noch Nebensaison und die Gondel läuft erst ab Mitte Februar. Die Lifte sind ausgerechnet heute zu, weil es so sehr stürmt und schneit, dass man kaum etwas sieht. Ich bin etwas enttäuscht. Kein Fjordblick? Aber Iselin und Jonas von der Skistation nehmen mich in der Planierraupe mit hoch, sie müssen ohnehin die Pisten checken – und so ein Wetter ändert sich ja hier auch mal schnell, sagen beide. Auf dem Weg nach oben sehe ich im Rückspiegel den Fjord, allerdings sind wir da noch relativ weit unten nahe der Talstation.

Der höchste Lift bringt euch rauf bis auf 1006 Meter. Insgesamt gibt es 6 Lifte, inklusive der Gondel. Insgesamt gibt es 15 Abfahrten und neun präparierte Pisten, die längste Abfahrt sind  fünf Kilometer. Das Restaurant mit Panoramaterrasse und dem Hammerausblick liegt auf etwa 625 Metern Höhe über dem Fjord. An dieser Bergstation endet die Planierraupenfahrt. Ich steige aus und werde erstmal vom Schnee verweht. Iselin begleitet mich, sie will jetzt auch unbedingt, dass ich den Ausblick sehe – und vor allem wieder den Weg runter finde in diesem wilden, wehenden Weiß überall. Wir kämpfen uns durch den Schnee, tatsächlich kommen ein paar Skifahrer an uns vorbei. Ski randonée ist hier ganz groß im Kommen, erzählt Iselin. Also Berg hochwandern mit Skiern und dann auf oder abseits der Pisten wieder runter. Das geht eben auch an Tagen, wo die Lifte aus sind. 

Nach ein paar hundert Metern bleibt sie stehen. „Guck!“, sagt sie. Ich war eingemummelt mit gesenktem Kopf durch den Schnee gestapft und hätte es fast verpasst. Links von uns reißt der Himmel auf - und mir bleibt die Luft weg: Der Fjord!!!!

Ab jetzt gucke ich fast nur noch durch die Linse, Kamera und Handy im Wechsel – bei deutlich unter 0 Grad frieren immer wieder Finger und Akkus ein. Aber ich kann nicht aufhören. So viel Fjord, Wasser, Himmel. Schnee, Schiffe, die Lichter der Stadt. Iselin lacht. Sie kennt das alles immerhin auch bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel oder…oh mein Gott…wenn dabei noch die Nordlichter über dir tanzen! Das alles gibt es hier in Narvik oft zum Skifahren gratis dazu, wenn auch nicht heute. Ich bin trotzdem vollkommen begeistert. 

Als wir zurück an der Talstation sind, hat sich das Wetter soweit beruhigt, das ein Lift aufmacht. Inzwischen ist es dunkel, das geht im Winter nördlich des Polarkreises ja schnell. Deswegen gibt es hier auch überall Flutlichtfahren. Ich leihe mir die Ausrüstung, ein paar Schwünge müssen sein. Und wenigstens ein leises „yeeeha“, schließlich will ich die paar einheimischen Flutlichtfahrer nicht erschrecken.

Der Schnee ist toll, der Blick auf die Stadt auch. Oft liegt Schnee bis Juni, erzählt mir Harald, der Manager von Narvikfjellet noch. Und dann geht die Sonne hier fast gar nicht mehr unter. Also doch kein Haken hinter. Stattdessen schreibe ich „Narvik: wiederkommen“ auf meine Reiseliste. 

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