Kanada - Top of the world - Volunteering beim Ski-Cup

#datewithplaces Lake Louise 2014
#datewithplaces Lake Louise 2014

Die kanadischen Rocky Mountains im Winter. Ein Traum für Schneehasen, Boarder, Skifahrer und alle, die die Weite lieben! Das Gute ist: es gibt sie in echt.  Auf meiner einjährigen Rucksackreise von Halifax quer durch Kanada schaffe ich es pünktlich zum Schnee in den Westen und in die Rockies. In der Provinz Alberta, viel Prärie, Cowboys, Öl und Berge, werde ich später meinen Winterjob anfangen. Pferdeschlittenfahrerin im kleinen Skiort Lake Louise. Wie es dazu kam, erzähle ich euch ein anderes mal. :) Es ist Anfang Dezember. Viel Schnee, die berühmten türkisen Seen zugefroren, die Landschaft komplett weiß gepudert. Von einem Reisefreund habe ich den Tipp bekommen, dass im Skigebiet von Lake Louise freiwillige Helfer gesucht werden für den Alpinski-Weltcup.

Er hat sich beworben als Volunteer für den FIS Downhill Weltcup und gehört zur dye crew; das „Farbteam“ fährt mit schweren Rucksäcken voller Farbe hinter den Skiprofis her und sprüht die Begrenzungslinien im Schnee nach.

 

Ein Job für körperlich sehr fitte Skiläufer: der Farbrucksack ist einige Kilos schwer und man muss sehr sicher auf Skiern unterwegs sein, um auf der steilen, teils vereisten Piste die Balance zu halten. Und dabei noch eine halbwegs gerade Linie „malen“.

 

Nichts für mich, ganz ehrlich. Ich bewerbe mich als Volunteer für das NorAm (NorthAmerican) Nachwuchs-Skirennen eine Woche später. Es klappt, sie brauchen noch Leute auf der Piste! Für drei Tage gehöre ich also zum Team der freiwilligen Helfer, sie kommen größtenteils aus Kanada, viele sind Eltern der jungen Skirennfahrer. Und entsprechend mit aufgeregt! :) Ausrüstung leihe ich mir zusammen, Hotel wird gestellt, ich teile mir mit mehreren Frauen ein kleines Apartment.

Und wir bekommen heatkeeper! Diese kleinen Wärmekissen, die wir abwechselnd in Handschuhe, Skischuhe, Jacken- oder Hosentaschen stecken. Gold wert, wie sich in den folgenden Tagen oft herausstellen sollte!! Es gibt Briefings am Abend vor dem Rennstart, die Aufgaben werden verteilt, die Pistenpläne besprochen. 

 

Am nächsten Morgen treffen wir uns früh an der Talstation. Es ist noch dunkel, minus 15 Grad, überall wird schon gewerkelt. Es gibt ordentliches Frühstück, Energie für den Tag. Ich bin aufgeregt. Halte ich die Kälte aus? Verstehe ich alles richtig, was mir auf Englisch erklärt wird? Meine Mitstreiter beruhigen mich. Wir sind da, wir sind ein Team. Tolles Gefühl, dazu zu gehören, wo man eigentlich fremd und auf Durchreise ist. Die Skipässe werden verteilt an alle, die auf dem Berg arbeiten. 

Es ist alles etwas kleiner als beim Ski Weltcup, aber dieselbe Piste im Lake Louise Ski Resort. Dazu sehr familiär und herzlich, tolle Athleten und: Mein Arbeitsplatz auf dem Top of the World-Gipfel! Ich kann’s kaum fassen. Wie so vieles auf dieser Reise. Herz hüpft. Der Blick ist überwältigend.

Ich stehe mit Stoppuhr und Klemmbrett direkt oben am Starterzelt, gucke über die verschneiten Berggipfel bis zum Lake Louise. Neben mir geht es schwindelerregend steil bergab und wenige Zentimeter entfernt stürzen sich die Skiathleten auf die Piste. Meine Aufgabe: Zeit stoppen, zusätzlich zur automatischen Zeitmessung, wenn die Rennfahrer die kleine Schranke passieren. Kann ja mal sein, dass die Technik streikt. Erst recht bei den

Temperaturen! Gilt übrigens auch für Feuerzeug, Handy und Kamera, Akkus mögen die Kälte nicht und gehen schnell leer. Am besten in Innentaschen aufbewahren, Technik mag Körperwärme.

Es passiert tatsächlich einmal, dass die Elektronik versagt und ich die gestoppte Zeit durchgeben muss. Und ja. Auch menschliches Versagen gab’s. Zweimal habe ich den Knopf nicht rechtzeitig gedrückt, weil meine Finger komplett eingefroren waren. In dem Moment war zum Glück die automatische Messung aktiv. Anders aufregend.

 

Da wir am Starterzelt eigentlich nur stehen und uns nicht bewegen, ist die gefühlte Temperatur bitterkalt. Es sind immer noch weit unter null Grad – dazu pfeift uns der Wind hier oben um die Ohren! Mein Outfit besteht aus diversen Lagen, Arctic Underwear, Jogginghose, Schneehose, Daunenjacke, Skijacke, Kopftuch, Helm, Innenhandschuhe, Skihandschuhe. Wollsocken. Trotzdem kalt. Aber auch unfassbar schön.

 

Und ich bin sehr beeindruckt von den jungen Athleten. Alle unter 20. Klar trainieren die das, aber gerade so aus der Nähe betrachtet, hui....riesen Leistung. Ich finde das so mutig, wie sie sich auf die steile Piste schmeißen und mit welchem Tempo sie da runter heizen! Neben mir ist eine Mutter im Einsatz, gleich zwei ihrer Kids sind Skiathleten. Sie guckt auch etwas sparsam, als die beiden losrasen. Ein mulmiges Gefühl mischt sich zum Stolz. Die Jugendlichen sind ganz unterschiedlich drauf. Einige wärmen sich hochkonzentriert etwas abseits alleine auf und gehen direkt an den Start, andere quatschen kurz, wollen Fotos machen und bedanken sich für die Unterstützung.

Zwischendurch denke ich, mir wird nie wieder warm. Keine Heizung, kein Raum zum Aufwärmen - und äh...auch kein Klo in der Nähe. Aber Schneehügel. :) Nach einem aufregenden Tag auf über 2.000 Metern Höhe in den kanadischen Rocky Mountains sind wir Helfer komplett durchgefroren, geschafft aber happy. Abends gibt es im Hotel eine Helferparty mit Wein und Pizza. Vorher freuen wir uns alle auf die Talfahrt; nach dem ganzen Tag stehen und

den Skiprofis beim Fahren zugucken, können wir die Bretter endlich selber anschnallen.

 

Die Pisten sind weit, leer, friedlich, der Schnee pudrig-fest und toll zu fahren. Bei der Abfahrt entsteht eins meiner Lieblingsbilder, von meiner Volunteer-Kollegin Kinga aus Kanada, mit der ich heute noch in Kontakt bin. Gemeinsames Erleben verbindet, überall auf der Welt.

My favourite. Kanada, Lake Louise Ski Resort, 2014
My favourite. Kanada, Lake Louise Ski Resort, 2014

P.S. Wenn ihr Lust auf eine ähnliche Erfahrung habt, Teil eines Teams und Großevents zu sein, zum Beispiel in den schönsten Wintersportgebieten der Welt: Für viele Veranstaltungen, auch außerhalb des Sports, werden Volunteers gesucht. Bewerben könnt ihr euch beim jeweiligen Organisationskomitee für die Veranstaltung (Weltcup, Festivals o.ä.), die kennen genau ihren Bedarf an Helfern für den Aufbau, Betreuung, aber auch Social Media und was sonst noch anfällt. Viel Spaß, grüßt mir den Schnee!

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